Mittwoch 21. Juni 2017 Erzählabend mit Jürgen Klosa Verschollen und 2016 wiederentdeckt: Die Bergbau-Zeitung für das Aachener Kohlenrevier „Grubenlicht“, erschienen von 1933 bis 1939.

Das Grubenlicht – eine vergessene Zeitung des Aachener Kohlenreviers wird wieder lebendig

Im Jahre 1933 – kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten – entstand eine Zeitung, die den Stellenwert und den Chorgeist der Bergleute des Aachener Reviers stärken sollten. Alle 14 Tage wurde in den EBV-Zechen Anna I und II, Maria, Eschweiler Reserve, Gouley, Laurweg, Adolf, den EBV-Kokereien, der EBV-Hauptverwaltung sowie den Zechen Carl-Alexander, Carolus Magnus und Sophia-Jacoba diese Zeitung den Bergbaubeschäftigten kostenlos zur Verfügung gestellt. Viel Wert wurde auf die Mitarbeit der Bergleute gelegt, was sich z.B. in vielen Gedichten oder Geschichten zu unterschiedlichsten Themen äußert. In jeder Ausgabe gab es eine Rubrik mit Familiennachrichten, in denen die Eheschließungen, Geburten oder auch Sterbefälle aus den Betrieben bekanntgemacht wurden. Allein die Nennung der tödlich Verunglückten dürften die offiziell vorliegenden Totenlisten um einige Namen erweitern. Themen wie Grubensicherheit, Reiseberichte, Humor und Witziges, Geschichten aus dem Bergbaualltag, Hausfrauentipps, die politischen Einschätzungen dieser Tage, Reichsberufswettkämpfe, Themen rund um Knappschaft und Soziales, Bergbaugeschichte oder auch der umfangreiche Kleinanzeigenteil spannen ein enges Band zwischen dem Leser und der Redaktion.
Umso verwunderlicher ist, dass diese Zeitung so gut wie vollkommen aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden ist. Der Glücksfall, sie auf irgendeinem Dachboden zu finden, hat es leider nie gegeben. Weder Geschichtsvereine noch andere Bergbauliebhaber verfügen über nennenswerte Bestände dieser Zeitung. Vereinzelt gibt es noch Exemplare, z.B. die Sondernummer zum 100-jährigen Jubiläum des EBV im Jahre 1938, aber ansonsten ist diese Zeitung aus dem historischen Gedächtnis verschwunden.
Somit kehrte diese Zeitung dank der Initiative von Jürgen Klosa aus Übach-Palenberg wieder in ihr ursprüngliches Revier zurück, da sie ja vorher in dieser Region nirgendwo zu finden war. Bei der „Fahndung“ nach dieser Zeitung stellte er fest, dass nur noch in Berlin und Leipzig eine Gesamtausgabe existiert und darum hat er sich deshalb die Mühe gemacht, die 1232 Seiten an dafür vorgeschriebene Orte zu sichten und zu analysieren. Das Ergebnis war ein interessanter Blick in die Bergbaugeschichte der Vorkriegszeit. Diese Analyse – festgehalten in einer Computer-Datenbank – gestattet es, die Berichte von und über allen Gruben des Aachener Reviers mit der jeweiligen Seite bzw. Ausgabe zu benennen und lässt damit neue Rückschlüsse oder Fakten dieser Gruben ohne zeitaufwendige Sucharbeiten zu; d.h. es könnte von jeder der genannten Gruben ein Auszug darüber gemacht werden, was in dieser Zeitung über sich berichtet wurde.
Im Rahmen eines Erzählabends der Grube Adolf am 21.6.2017 um 19 Uhr in Merkstein will Jürgen Klosa diese in Vergessenheit geratene Zeitung wieder zum Leben erwecken, quasi wie wenn man ein versunkenes Schiff wieder an die Oberfläche holt.
Man darf auf zahlreiche Beispiele gespannt sein, die die Zechen des Aachener Reviers zwischen 1933 und 1939 im Kontext zur damaligen Zeit wieder lebendig werden lassen.

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