Die Kolonie

Der Bau der Alten Kolonie“

Streiffeld – Anfang des 20. Jahrhunderts

1910 begann der Eschweiler Bergwerksverein in Streiffeld mit der Planung einer Werkssiedlung für die Beschäftigten der Grube Adolf. Der Plan einer „Gartenstadt“ nach dem Vorbild der Kruppschen Werkssiedlungen in Essen und unter den Einflüssen des Baurates Schmohl vom Kruppschen Baubüro wurde auf der Stufe der „Alten Kolonie“ realisiert. Es wurden insgesamt 11 Haustypen gebaut, bei denen charakteristische Stilelemente wie hoher Ziegelsockel, auffällige Putz- und Ziegelsteinornamentik, Fensterwölbung, Fachwerkansatz und betont große Ziegeldächer in großer Formenvielfalt sich wiederholen.

In den Jahren 1911–13 wurden dann in dem Dreieck Humboldt–Geilenkirchener–Adolfstraße 279 Werkswohnungen gebaut, meistens Einfamilienhäuser. Diese Siedlung erhielt später den Namen „Alte Kolonie“, im Gegensatz zu den anderen Siedlungseinheiten, die nach 1924 auf der anderen Seite der Humboldtstraße entstanden.

Die Häuser waren einfach und sauber gebaut. Das Wasser mussten die Leute an der Pumpe holen.

Das Gelände, auf dem die „Alte Kolonie“ errichtet wurde, gehörte zu den Streiffelder Höfen. Damit war schon der zweite große Einbruch der Kohle in das landwirtschaftliche Gebiet erzielt. Für die Grubenbauten selbst war ja auch schon ein großes Areal in Anspruch genommen worden. Dieser Verlust an Gelände verursachte natürlich auch eine Betriebsumstellung auf den Höfen.

Während der Streiffelder Hof sich noch bis 1931 halten konnte, war der Abteihof schon im ersten Weltkrieg außer Betrieb. Der Eschweiler-Bergwerks-Verein errichtete in den leer stehenden Stallungen einen Fuhrpark, in dem unter anderem der Krankenwagen und eine Kutsche untergebracht waren.

Die Kutsche stand den Grubenbeamten und –angestellten für private Feierlichkeiten, wie Hochzeit, Kinder-kommunion, Konfirmation und dergleichen zur Verfügung. Man sah also oft das Bild, dass zwei flinke Pferde mit dem Landauer der Grube durch die Kolonie trabten.

In den Bauabschnitten von 1920 und 1926 weichen die Regierungsbaumeister Erberich und Scheeben vom ursprünglichen Plan ab. Jetzt dominiert ein traditionalistischer Backsteinexpressionismus.

Mit dem Siedlungsbau der fünfziger Jahre wurde die Kolonie Streiffeld vollendet. In diesem Bauabschnitt entstand in der heutigen Froebelstraße auch eine Reihe von Pestalozzi-Häusern, in denen ortsfremde Berglehrlinge von Pflegeeltern nach dem Pestalozziprinzip betreut worden sind.

Ludwig Kahlen schrieb in seinem Buch „Heimatklänge“:

„Erst im Juli 1913 waren die Fördereinrichtungen auf Adolf soweit entwickelt, dass nunmehr die Kohlen durch den eigenen Schacht zutage gebracht werden konnten.

Im selben Jahre wurden auch die ersten Werkswohnungen der Grube Adolf, die sogenannte „Alte Kolonie“, bezogen. Die ersten Siedler kamen aus Planitz, also aus dem Zwickauer Revier. Es waren verschiedene Bergleute dabei, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie durch Verfolgung gewerkschaftlicher Interessen mit dem Unternehmer in Meinungsverschiedenheiten geraten waren. Der Bergmann war in früheren Zeiten ein Objekt der Ausbeutung. Eine Betreuung, wie sie in den späteren Jahren überall vorzufinden war, lag damals noch in weiter Ferne. Am 15. März 1913 bezogen die ersten Sachsen ihre Wohnungen. Sie hatten eine Fahrt von zwei Tagen und zwei Nächten im Personenzug vierter Klasse hinter sich. Hier mussten sie zunächst drei Wochen auf Stroh schlafen, bis ihre Möbel mit dem Viehwagen ankamen. Verpflegt wurden sie in dieser Zeit von einer auf Anna II eingerichteten Küche.

Die „Alte Kolonie“ stand natürlich nicht nur den Sachsen zur Verfügung. Es waren auch einige hiesige Bergleute dabei sowie Zuwanderer aus Bayern und Schlesien, also eine bunt gemischte Gesellschaft, die sich da zusammenfinden musste.

Mit den Jahren wuchsen die Siedler zu einer Gemeinschaft zusammen. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass uns heute, ca. 100 Jahre später, vieles angenehmer erscheint, als es in Wirklichkeit war. Das Schwere wird von der Vergangenheit abgestreift, der steinige Weg nicht mehr gesehen, die drückende Last nicht mehr gespürt, der Hunger nicht mehr gefühlt. Ein Glück, dass der Mensch in dieser Art vergessen kann. Es waren Menschen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands, darunter vor allem vier Bergleute aus dem Zwickauer Revier, die hier unterkamen. 1914 entstand die große Schulde. Bis dahin wurden die Kinder der Bergleute in einer Werkswohnung in der Freiheitsstraße unterrichtet. Die fremden Menschen in der Gemeinde hatten es zunächst schwer, sich hier heimisch zu fühlen, denn die Einheimischen schnitten sie. Sie nannten die Zugereisten mit etwas verächtlichem Unterton „Kolonister“.

Nun, das legte sich mit der Zeit. Die Kolonister waren rege Menschen, die aktiv am Leben der Gemeinde mitarbeiteten. Heute sind sie so integriert, dass niemand auch nur daran denkt, dass im Anfang zwischen den Alt- und Neubürgern ein Graben aufgeworfen war. Zur Zeit leben Menschen aus 15 Nationen in der früheren Gemeinde Merkstein friedlich unter einem Dach. Das ist das Modell einer Völkerfamilie im kleinen.

Die Kolonie Streiffeld in Herzogenrath-Merkstein ist eine Schwestersiedlung zur Siedlung Kellersberg in Alsdorf.

               

   

   

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